Mit Stuttgart 21 schneller nach Brüssel!

Veröffentlicht am 22.01.2010 in Landespolitik

Großprojekte sind immer umstritten, das ist bei Stuttgart 21 (S21) nicht anders. Nun aber ist S21 in trockenen Tüchern und das ist gut so. Denn S21 bringt Baden-Württemberg näher zusammen und ermöglicht mehr Züge, bessere Taktfahrpläne und kürzere Fahrzeiten. S21 ist weit mehr als ein Bahnhofsumbau und heißt Anbindung des Landes an das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz, Neuordnung und Tieferlegung des Stuttgarter Bahnknotens, drei neue Bahnhöfe, Weiterführung der Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Wendlingen und Neubau der Strecke Wendlingen-Ulm. Ein Verzicht auf S21, sagen die Befürworter, wäre nicht nur ein Verzicht auf Zukunftschancen für Beschäftigung und Wohlstand, auf 10.000 neue Jobs und 7000 zusätzliche Jobs während der Bauzeit, sondern würde das Land beim Zugverkehr auf’s Abstellgleis manövrieren.

Die Kritiker dagegen meinen, Strecken unter die Erde zu verlegen sei immens teuer und Großbaustellen führten zu Verkehrsbehinderungen. Richtig, aber gilt beides nicht auch für Straßen oder den B27-Tunnel, auf den wir in Tübingen parteiübergreifend bestehen? Und was würde es in Stuttgart bedeuten, wenn die neuen Gleise mitten durchs dicht besiedelte Neckartal gingen, wie das der Alternativplan K21 vorsieht und die Grünen es wollen? Es käme dort zu ähnlichen Protesten wie derzeit im Rheintal, wo sich die Bürger vehement gegen eine offene Trasse zur Wehr setzen. Und auch K21 wäre eine Großbaustelle und vergleichbar teuer.

Genau diese Zumutungen für die Bürger müssten die Grünen eigentlich davon abbringen weiter gegen S21 zu polemisieren. Stattdessen wird aber behauptet, durch S21 könnten andere Projekte im Land nicht realisiert werden. Richtig dagegen ist, große Teile der Zuschüsse sind zweckgebunden und dürfen weder für Bildung noch für andere Verkehrsprojekte verwendet werden. Und würde jetzt nicht gebaut, sondern neu geplant, ginge das Geld von Bund, Bahn und EU in die Infrastruktur eines anderen Bundeslands. Die Bayern würden sich freuen.

Und der Tübinger OB müsste S21 in sein „Tübingen macht blau-Konzept“ einbinden. Kürzere Fahrzeiten nach Stuttgart und die Anbindung des neuen ICE-Bahnhofs am Flughafen auch an den Regionalverkehr werden nicht nur Autofahrer zum Umsteigen bewegen und die B 27 entscheidend entlasten, sondern Tübingen als Wohngebiet noch attraktiver machen. Und zur neuen Familie nach Brüssel geht es für ihn so auch ein bisschen schneller.

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